Entwicklung des Recruitings – unsere Erfahrungen

Uns sind mehrere Entwicklungen im Recruiting der letzten Jahre aufgefallen, auch im Social Media Recruiting. Es hat sich sehr viel verändert und dennoch wird das Recruiting von Fachkräften immer anspruchsvoller für Unternehmen.

Hier stellen wir unsere Erfahrungen vor:

1) Die Unternehmen werden in ihren Recruiting- und Personalmarketingaktivitäten immer proaktiver. Sehr viele von ihnen haben die Phase des „Dornröschenschlafs“ hinter sich gelassen und nutzen statt einer passiven Post & Pray-Mentalität eine proaktive Strategie. Auf der anderen Seite gibt es eine ganze Reihe an Unternehmen, denen die Vorteile dieser Herangehensweise noch immer nicht klar sind oder aber die noch nicht allzu sehr unter Druck stehen, um qualifiziertes Personal für ihr Unternehmen zu finden.

2) Die Nutzung browserbasierter Software für die Suche nach potenziellen Mitarbeitern ist besonders in den vergangenen drei Jahren spürbar angestiegen. Insbesondere in den Netzwerken zur Karriereförderung wie LinkedIn (LinkedIn Recruiter) und bei XING (XING TalentManager) gibt es enorme Wachstumsraten in diesen Geschäftsfeldern zu registrieren. Unter den Recruiting-Technologien auf dem Markt sind diese Tools die Shooting-Stars. Da der Markt in Deutschland noch nicht komplett erschlossen ist und schon Besetzungserfolge zu registrieren sind, ist mit noch stärkerem Wachstum zu rechnen.

3) In den letzten vier Jahren hat sich das Social Media Recruiting auf dem Gebiet der Stellenpostings zu einem ernsthaften Player entwickelt. Wenn es um Personalakquise geht, gehört das Social Media Recruiting nach Online-Stellenbörsen und unternehmenseigenen Karriereseiten noch vor den Mitarbeiterempfehlungen zu den besten drei Kanälen.

4) In der HR-Szene ist das Employer Branding eines der bestimmenden Themen. Im Wettbewerb um die besten Mitarbeiter ist die aktive Gestaltung der eigenen Marke, das sogenannte Employer Branding, unverzichtbar. Heute ist es viel öfter als in der Vergangenheit so, dass nicht Kandidaten sich bei Unternehmen bewerben, sondern umgekehrt: Unternehmen sprechen gezielt potenzielle Mitarbeiter an. Die Machtverhältnisse zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern haben sich insofern verschoben. Die Zeiten, in denen die alleinige Macht bei den Arbeitgebern lag, sind vorbei. Plötzlich haben die Bewerber die Möglichkeit, zwischen den Unternehmen zu wählen, denn diese konkurrieren um die besten Mitarbeiter und sind gezwungen, sich in Sozialen Netzwerken optimal zu präsentieren.

5) Nachdem es im Jahr 2015 ein kleines Zwischentief gab, sind die Ausgabenplanungen für Business- und Karrierenetzwerke wie Kununu, XING oder LinkedIn wieder spürbar angestiegen. Fast die Hälfte aller Unternehmen plant, auf diesem Gebiet mehr Geld auszugeben, so das Ergebnis der Studien. Bei den Jobmessen, den Mitarbeiterempfehlungen und den anderen Social Media Netzwerken wie Twitter, Facebook, Youtube und Co. ist auch für 2017 eine Zunahme zu erwarten. Aus unserer Beratungspraxis wissen wir, dass etliche Unternehmen ihre Budgets umschichten oder sogar aufstocken, um mehr Mittel für die Personalgewinnung zur Verfügung zu haben. Bisher genutzte Kanäle wurden kritisch überprüft, neue Kanäle wurden ausprobiert und fest installiert.

Wie ist die zu erwartende Entwicklung beim Wettbewerb der beiden großen Businessnetzwerke LinkedIn und XING im Jahr 2017 zu beurteilen?

Zunächst ein Blick auf die Mitgliederzahlen: Bei den Businessnetzwerken ist XING im deutschsprachigen Raum nach wie vor der Spitzenreiter. Anders als für LinkedIn ist dies auch der Kernmarkt von XING. Allerdings muss zugestanden werden, dass LinkedIn in der DACH-Region in den beiden letzten Jahren beträchtlich zugelegt hat. Betrachtet man nur die Mitgliederzahlen, so hat sich der Abstand zwischen diesen beiden Wettbewerbern geringer geworden.

Stand Januar 2017 bedeutet dies in aufgerundeten Zahlen:

XING DACH: 11 Mio.
XING weltweit: 16 Mio.
LinkedIn DACH: 9 Mio.
LinkedIn weltweit: 470 Mio.

Wir sehen im deutschsprachigen Raum für beide Netzwerke durchaus noch Potenziale für Wachstum. Besonders bei Auszubildenden, Studenten und Berufseinsteigern, also bei jungen Leuten, gibt es nur eine sehr geringe Durchdringung, wie ich bei Vorträgen durch spontane Abfragen wiederholt feststellte. Von 200 Zuhörern meldeten sich sechs per Handzeichen. Bei WhatsApp, Twitter, Facebook und Co. hingegen meldeten sich 98%! In der Kernmitgliedschaft der 25- bis 50jährigen haben wir im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung im Vergleich mit anderen Ländern wie Großbritannien, USA oder Holland noch erhebliche Potenziale zu erschließen. Meiner Einschätzung nach dürfte das Mitgliederpotenzial pro Netzwerk in einem mittelfristigen Zeitraum bei etwa 18 bis 20 Millionen Mitgliedern liegen. In diesem Jahr wird jedes Netzwerk im deutschen Sprachraum um etwa eine Million Mitglieder wachsen.

Active Sourcing nimmt weiter zu

Nach einigen Jahren der Abkühlung konzentrieren sich viele Unternehmen wieder stärker auf das „Active Sourcing“. Das hängt zum einen damit zusammen, dass es in vielen Berufsfeldern Engpässe bei qualifiziertem Personal gibt, und zum anderen ist, wie bereits ausgeführt (siehe Punkt 2), die Nutzungsquote der zur Verfügung stehenden Tools enorm angestiegen. Fast 10% aller Positionen wird heute mithilfe von passivem oder aktivem Social Media Recruiting besetzt. Darunter sind auch Stellen, die mittels Active Sourcing besetzt wurden. Zwar ist der Zeitaufwand für gut gemachtes Active Sourcing beträchtlich, aber viele Unternehmen sind überzeugt, dass dies der einzige Weg ist, auf dem sie überhaupt die Chance haben, mit den talentiertesten Kandidaten in Kontakt zu treten. Und der Erfolg gibt ihnen Recht. Das Active Sourcing wird weiterhin zunehmen. Immer mehr Unternehmen ermutigen ihre Mitarbeiter, eigene professionelle Recruiter-Profile in LinkedIn und XING zu erstellen. Außerdem qualifizieren sie die neue Generation von Recruitern mithilfe professionellen Trainings und mit Schulungsmaßnahmen für den Umgang mit Active Sourcing.


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